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Altersarmut in Deutschland

Ergebnis politischer Gestaltung

Obdachlose Frau in Frankfurt

Die EU definiert als arm, wer weniger als 60 % des mittleren Einkommens  seines Heimatlandes zur Verfügung hat, bzw. wenn der nicht erwerbstätige Teil der Bevölkerung seinen Bedarf aus den Leistungen der gesetzlichen und privaten Versorgungssysteme nicht decken kann.

OECD Generalsekretär Gurria warnte Deutschland bereits 2014 vor einer Zunahme der Altersarmut in den kommenden Jahren. (Quelle: t-online.de,rtr 23.05.2014).

Alleinstehende gelten 2016 als arm mit einem Einkommen unter 769 Euro/Monat.

Zustandsbeschreibung

Um die Einkommenslage der Rentner zu beurteilen wird vielfach auf die sogenannte Eckrente ( Standardrente mit 45 Entgeltpunkten ) zurückgegriffen. Durch Arbeitslosigkeit, Mini-Jobs, selbständige Tätigkeit, Kindererziehungs- und Ausbildungszeiten etc. wird die Grundlage eines Eckrentners in der Realität kaum erfüllt.

Eckrente                                    2006                   2015
alte Bundesländer             1.066 Euro            1.175 Euro
neue Bundesländer              939 Euro            1.088 Euro

Armutsrisikoquote                 2003                   2015
bei 65 jährigen und Älteren    11,4  %
bei Alleinerziehenden              35,4  %
Gesamtbevölkerung                 13,5  %               20,3 %

 

Die Zahl der Menschen in Grundsicherung oberhalb der Altersgrenze steigt kontinuierlich an. Altersarmut hat vor allem ein weibliches Gesicht. Der Anteil der Frauen, die Grundsicherung beziehen, liegt seit 2003 deutlich über den der Männer. Bezogen in 2015 in der Altersgruppe von 18 Jahren bis zur Altersgrenze nur 1 Prozent der Frauen und Männer Sozialhilfe, so sind es ab der Altersgrenze bereits 3 Prozent.

Nettoeinkommen der Rentnerinnen und Rentner 2015  unter 1.000,- Euro/Monat:

Männer        41,7 %
Frauen         82,2 %
Pensionäre    1,2 %

(Quelle: Deutsche Rentenversicherung 2015)

Situation 2015

Niedriglöhner                    2010                2015
unter 10 Euro/Std.                                 6,5 Mio.
davon Leiharbeiter          0,65 Mio.      0,9 Mio.
Ostdeutschland                                      34,5 %
Westdeutschland                                   19,3 %

(Quelle: BAM)

Angabe in Tausend                              2010          2012        2014        2015      2016
Sozialhilfeempfänger BRD                                       900         1002        1038      1130
Sozialhilfeempfänger Rentner/Innen                    464            512          536*
bedürftige oder arme Bürger             8000       12000                        12500

*61 % Frauen

Ursachen

Der gesetzlichen Rentenversicherung werden für gesamtgesellschaftliche Aufgaben seit 1957 bis heute Kosten übertragen, die in Höhe von ca. 750 Mrd. Euro nicht durch Steuermittel ersetzt wurden. Diese, nur von den Versicherten ( ohne Beamte, Politiker, Selbständige ect. ), aufgebrachten Rentenbeiträge fehlen für vernünftige Renten.

Absenkung des Rentenniveaus

Rentenreform 2001. Die Rente wird bis 2030 spürbar abgesenkt. Ein Durchschnitts-verdiener muss ca. 35 Jahre einzahlen um über das Armutsniveau zu kommen.

Arbeitslosigkeit

Für Alg. II Bezieher zu entrichtende Beiträge aus Steuern seit 2007 mit 40 Euro/Monat ergibt eine Rentenanwartschaft von 2,19 Euro/Monat.

Kindererziehung

Anrechnung:       vor   1992 geborene Kinder  2 Jahre
nach   1992 geborene Kinder  3 Jahre.

Niedriglohn – Jobs

Niedriger Lohn  =  geringe Rentenbeiträge  =  Armutsrente

33 % aller Selbständigen hatten 2005 ein Einkommen unter 1.000 Euro, und damit keine Möglichkeit zur Vorsorge. Dadurch ist Altersarmut vorprogrammiert.

Jährlicher Zuschuss zur Förderung der Riesterrente von 3 Mrd. geht zu

38 % an Personen mit über 60.000 Euro/Jahreseinkommen
7 % an Personen mit unter 20.000 Euro/ Jahreseinkommen

Staatliche Zuschüsse machen Versicherungen reicher, aber nicht die Versicherten!

Fazit

Die Probleme der Rentenversicherung und die damit wachsende Altersarmut sind politisch gewollt, denn sie sind das Ergebnis einer politischen Gestaltung seit 60 Jahren.

Nur durch die Einführung einer Erwerbstätigenversicherung und die Ausgliederung der versicherungsfremden Leistungen aus der Rentenversicherung entsteht eine langfristige Basis zur Verhinderung von Altersarmut.

Herbert Heinritz, Vorsitzender BRR e.V.

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