Blick über die Grenze nach Österreich

Bildungsreise nach Österreich

Unter der Anmoderation einer "Bildungsreise nach Österreich" berichtete das ARD Wirtschaftsmagazin PlusMinus gestern Abend über die Altersversorgung in Österreich. Eine Delegation der im Bundestag vertretenen Parteien war nach Österreich gereist, um sich über die Vorzüge der Altersversorgung in unserem südlichen Nachbarland zu informieren. Dort erhalten Ruheständler deutlich höhere monatliche Altersbezüge als die hiesigen Rentner, und das gleich 14 x im Jahr. Wie machen das die Österreicher? Klicken Sie auf das Bild, um den Beitrag in der ARD Mediathek aufzurufen.

Laut Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn von Bündnis90/Die Grünen wird in Österreich sehr viel mehr Geld für die Rente ausgegeben. Seine politische Einschätzung:

Dies ist eine Prioritätenfrage.

Was aber ist anders in Österreich? Der Beitrag arbeitet vier grundlegende Unterschiede heraus:

  1. Höhere Anrechnung. Für jedes Versicherungsjahr gibt es eine höhere Rentengutschrift. Der Grundsatz des österreichischen Systems der Altersvorsorge: Die gesetzliche Rente muss im Alter den Lebensstandard sichern. Diesen Anspruch haben SPD und Bündnis90/Die Grünen unter Schröder aufgegeben und einen Paradigmenwechsel vollzogen. An die Stelle der Sicherung des Lebensstandards als Steuergröße für das Rentenniveau ist die Höhe des Rentenversicherungsbeitrags getreten. Das macht sich bemerkbar: Während nach OECD Angaben ein deutscher Rentner heute nur noch gut 44,5% seines durchschnittlichen Bruttoeinkommens als Rente erhält, Tendenz weiter absinkend, erhält sein österreichische Kollege gut 80% seines durchschnittlichen Bruttoeinkommens ausgezahlt.
  2. Alle zahlen ein. Österreich hat konsequent auf eine Erwerbstätigenversicherung umgestellt, in die auch Beamte, Politiker und Selbständige und Geringverdiener ab einem Einkommen ab 450 EUR einzahlen. In Österreich betragen die Ausgaben für Renten rund 14% des BIP während es in Deutschland nur 10% sind.
  3. Kaum Betriebsrenten und Privatvorsorge. Den teuren Umweg über die Versicherungskonzerne hat man sich erspart, alles fließt in Österreich in die gesetzliche Rente. Die Rentenbeiträge in Österreich liegen bei 22,8% (Arbeitnehmer 10,25%, Arbeitgeber 12,55%), in Deutschland bei 18,8% (Arbeitnehmer 9,4%, Arbeitgeber 9,4%). Rechnet man die vier Prozent für die Riesterrente hinzu, die von den Arbeitnehmern alleine getragen wird und um die die gesetzliche Rente abgesenkt wurde, dann sind es auch in Deutschland 22,8%. Aber anders als in Österreich trägt der Arbeitnehmer hiervon 13,4%. Hierzu meint Dr. Josef Wöss von der Arbeitskammer Wien: "Das deutsche Rentensystem ist teurer, Kosten werden nur verlagert.“ Richtig: Und Versicherungskonzerne mit ihren Heerscharen an Versicherungsvertretern wollen schließlich auch verdienen. Mehrwert wird so nicht geschaffen.
  4. Mindestrente. Die monatliche Mindestrente für eine alleinstehende Person beträgt 890 EUR (Paare 1.350 EUR) im Monat. Liegt die persönliche Rente unterhalb der Mindestrente, dann wird diese aus Steuermitteln unbürokratisch und ohne Bedürftigkeitsprüfung aufgestockt. Angespartes Vermögen der Senioren bleibt unangetastet. Niemand muss aus Angst, in eine andere Wohnung ziehen zu müssen, oder aus Scham auf eine Auftstockung verzichten.

Resümee von Matthias Birkwald, Die Linke:

In Deutschland haben wir viel zu sehr auf kapitalgedeckte private Altersvorsorge gesetzt. Die ist gescheitert. Österreich hat das besser gemacht. Und das sollten wir in Deutschland auch wieder tun.

„Wenn man sich in einem Land immer Sorgen macht um die Rente, dann wird allein durch das Sorgenmachen das Wachstum gedämpft“, so der österreichische Ökonom und Wirtschaftsforscher Dr. Stephan Schulmeister.

So sieht das auch die Initiative gegen Altersarmut. Schließen Sie sich unserer Aktion „Pro Bürgerversicherung – Contra Armutsrenten“ an. Registrieren Sie sich noch heute auf dieser Seite in unserem Blog.

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